Barrierefreiheit · Prüfpunkt
Warum brauchen Fehlermeldungen und Links mehr als nur eine Farbe?
Fehlermeldungen und Links brauchen mehr als eine Farbe, weil viele Menschen Farben nur eingeschränkt unterscheiden — Rot-Grün-Schwäche ist die häufigste Form. Ein rot umrandetes Pflichtfeld ohne erklärenden Text bleibt für diese Besucher unsichtbar markiert. Information muss deshalb doppelt getragen werden: Farbe plus Text, Symbol oder Unterstreichung.
Farbe als Zusatz, nie als einziger Träger
Drei Alltagsfälle zeigen das Problem. Erstens Formulare: Wird ein falsch ausgefülltes Feld nur rot umrandet, findet ein Besucher mit Rot-Grün-Schwäche den Fehler nicht — ergänzen Sie eine Textmeldung wie „Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein“. Zweitens Links im Fließtext: Unterscheidet sich ein Link nur durch seine Farbe vom umgebenden Text, ist er für viele nicht als Link erkennbar — die Unterstreichung löst das. Drittens Diagramme und Statusanzeigen: „Grün bedeutet verfügbar, Rot bedeutet ausgebucht“ funktioniert nur mit zusätzlicher Beschriftung oder unterschiedlichen Symbolen. Farbe bleibt dabei ausdrücklich erlaubt und sinnvoll — sie darf nur nie die einzige Informationsquelle sein.
So prüft unser Messkern die Benutzung von Farbe
Die automatische Prüfung mit axe-core erkennt einen typischen Teilfall: Links im Fließtext, die sich vom umgebenden Text allein durch die Farbe abheben — ohne Unterstreichung oder ausreichenden Helligkeitsunterschied. Solche Fälle fließen als Befund in den Bericht ein. Der größere Teil des Kriteriums entzieht sich der Maschine: Ob ein Diagramm nur über Farben erklärt wird oder ob eine Fehlermeldung außer der roten Umrandung auch einen Text hat, erfordert Verständnis des Inhalts. Nach unserem Grundsatz gilt ein unauffälliger Durchlauf deshalb nie automatisch als Nachweis — beim Gold-Standard sieht ein Prüfer Formulare, Diagramme und Statusanzeigen durch und fällt das Urteil.
So gehen Sie es an
- Prüfen Sie Ihre Formulare: Jede Fehlermarkierung braucht neben der Farbe einen erklärenden Text am betroffenen Feld.
- Lassen Sie Links im Fließtext unterstreichen — die Farbe allein macht sie für viele Besucher unsichtbar.
- Ergänzen Sie in Diagrammen und Statusanzeigen Beschriftungen oder Symbole zusätzlich zur Farbcodierung.
- Betrachten Sie Ihre Seite einmal in Graustufen — jeder Bildschirm und viele Handys können das — und prüfen Sie, ob alle Informationen erhalten bleiben.
- Kennzeichnen Sie Pflichtfelder mit dem Wort „Pflichtfeld“ oder einem erklärten Sternchen, nie mit Farbe allein.
Häufige Fragen
Wie viele Menschen sind von einer Farbfehlsichtigkeit betroffen?
Die Rot-Grün-Schwäche ist die häufigste Form und betrifft vor allem Männer. Wir nennen bewusst keine Prozentzahl, denn die Angaben schwanken je nach Quelle. Entscheidend ist: Die Gruppe ist groß genug, dass eine rein farbliche Kennzeichnung auf jeder gut besuchten Website regelmäßig Besucher ausschließt.
Muss ich alle Links auf meiner Website unterstreichen?
Links im Fließtext ja — dort ist die Unterstreichung das verlässlichste Zweitsignal neben der Farbe. In klar erkennbaren Navigationsbereichen wie dem Hauptmenü gilt die Umgebung selbst als Signal, dort ist keine Unterstreichung nötig. Die Prüfung mit axe-core bemängelt genau die Fließtext-Links, die sich nur farblich abheben.
Darf ich Rot und Grün für Fehler und Erfolg weiter verwenden?
Ja — solange die Information zusätzlich als Text oder Symbol vorhanden ist. Eine grüne Erfolgsmeldung mit Haken und dem Satz „Ihre Anfrage wurde gesendet“ ist barrierefrei, denn jeder Besucher kann sie lesen. Nur die Farbe allein, ohne Text und Symbol, schließt farbfehlsichtige Menschen aus.
Weiter im Prüfbereich Barrierefreiheit
- Wie stoppen Besucher automatisch startende Musik auf einer Website?Ton, der länger als drei Sekunden automatisch spielt, braucht einen Stopp- oder Lautstärkeregler direkt auf der Seite — sonst ist er ein echtes Hindernis.
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- Warum ist echter Text auf Websites besser als Text im Bild?Text als Bild lässt sich weder vorlesen noch vergrößern noch von Google durchsuchen. Echter Text kann alles davon — und ist leichter zu pflegen.
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