Barrierefreiheit · Prüfpunkt
Warum darf ein fixierter Kopfbalken den Tastaturfokus nie ganz verdecken?
Ein fixierter Kopfbalken, ein Cookie-Hinweis oder eine klebende Fußleiste darf das gerade fokussierte Element nie vollständig verdecken, weil Tastaturnutzer sonst nicht mehr sehen, wo sie stehen. Das Kriterium 2.4.11 ist mit WCAG 2.2 neu hinzugekommen: Beim Bewegen des Fokus durch die Seite muss das aktive Element mindestens teilweise sichtbar bleiben — auch wenn Teile der Seite beim Rollen über dem Inhalt schweben.
Wie klebende Leisten den Fokus verschlucken
Viele Websites fixieren Elemente am Bildschirmrand: die Menüleiste oben, einen Cookie-Hinweis unten, dazwischen vielleicht ein Newsletter-Banner. Diese Schichten schweben über dem Inhalt. Wandert der Tastaturfokus nun durch die Seite, kann das aktive Element genau hinter so einer Leiste liegen — der Fokusrahmen ist da, aber niemand sieht ihn. Für Tastaturnutzer fühlt sich das an, als wäre der Fokus verschwunden: Sie tabben weiter und wissen nicht, welche Schaltfläche sie mit der Eingabetaste treffen. Besonders tückisch sind hohe Cookie-Hinweise am unteren Rand, hinter denen beim Durchtabben ganze Formularzeilen verschwinden können.
So misst der Prüfservice die Fokus-Verdeckung
Während des echten Tastatur-Durchgangs prüft der Prüfservice bei jedem Fokus-Halt mehrere Punkte des aktiven Elements: Liegt an all diesen Punkten eine undurchsichtige, fixierte oder klebende Fläche über dem Element, gilt es als vollständig verdeckt — das Kriterium ist verstoßen, und der Bericht benennt das Element samt Beleg-Bildschirmfoto. Die Messung urteilt bewusst vorsichtig: Elemente, die selbst Teil einer fixierten Leiste sind, gelten nie als dahinter verborgen, und durchsichtige Überlagerungen zählen nicht als Verdeckung. Bleibt das Element bei allen Halten mindestens teilweise sichtbar, gilt das Kriterium als bestanden.
So gehen Sie es an
- Tabben Sie durch Ihre Seite und beobachten Sie den unteren Bildschirmrand — verschwindet der Fokus zeitweise hinter dem Cookie-Hinweis?
- Halten Sie fixierte Leisten so schmal wie möglich, besonders auf kleinen Bildschirmen.
- Bitten Sie Ihre Agentur, beim Fokussieren einen Rollabstand einzuplanen, damit das aktive Element nie unter fixierten Leisten landet.
- Testen Sie mit sichtbarem Cookie-Hinweis — genau in diesem Zustand erleben Erstbesucher Ihre Seite.
Häufige Fragen
Was bedeutet „Fokus nicht verdeckt“ in WCAG 2.2?
Das Kriterium 2.4.11 verlangt: Wenn ein Element den Tastaturfokus erhält, darf es nicht vollständig hinter anderen Inhalten liegen — etwa hinter fixierten Menüleisten, Cookie-Hinweisen oder klebenden Fußzeilen. Mindestens ein Teil des Elements muss sichtbar bleiben. Sonst verlieren Tastaturnutzer die Orientierung, weil ihr einziges Standort-Zeichen unsichtbar wird.
Sind fixierte Menüleisten und Cookie-Banner damit verboten?
Nein. Fixierte Leisten bleiben erlaubt — sie dürfen nur das gerade fokussierte Element nicht vollständig überlagern. In der Praxis heißt das: Leisten schmal halten und beim Fokussieren einen Rollabstand einplanen, damit das aktive Element oberhalb beziehungsweise unterhalb der Leiste sichtbar bleibt. Beides ist mit wenigen Zeilen in den Gestaltungsvorgaben lösbar.
Wie wird die Fokus-Verdeckung automatisch gemessen?
Unser Prüfservice tabbt echt durch die Seite und prüft bei jedem Halt mehrere Punkte des aktiven Elements: Liegt überall eine undurchsichtige fixierte Fläche darüber, gilt das Element als vollständig verdeckt und das Kriterium als verstoßen — belegt mit Bildschirmfoto. Durchsichtige Überlagerungen und Elemente, die selbst in einer fixierten Leiste sitzen, werden dabei bewusst nicht angelastet.
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